Einer der bedeutendsten gesellschafts­politischen Preise der Schweiz

Die Stiftung STAB verleiht seit 1977 jährlich einen mit 50’000 Franken dotierten Anerkennungspreis. Er geht an Persönlichkeiten und Organisationen, die sich für die Idee der frei und persönlich bestimmten mitmenschlichen Verantwortung und der Rücksichtnahme auf die Nachwelt einsetzen und die einen ausserordentlichen Beitrag zur Pflege abendländischer Grundwerte leisten.

PD Dr. med. Clemens Schiestl ist STAB-Preisträger 2018

Clemens Schiestl leitet seit 2003 das Zentrum für brandverletzte Kinder, Plastische und Rekonstruktive Chirurgie der Chirurgischen Klinik des Universitäts-Kinderspitals Zürich, wo er auch dem klini­schen Forschungsteam vorsteht, welches seit vielen Jahren mit der «Tissue Biology Research Unit» intensiv klinische Hautersatz­forschung betreibt. Er habilitierte 2009, ist seit 2010 Privatdozent der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich und hat sich – er gilt als Kapazität auf diesem Gebiet – ganz dem Thema Hautersatz verschrieben. Seit vielen Jahren engagiert er sich für humanitäre Aktionen, um schwerbrandverletzten Kindern weltweit eine bessere Zukunft zu ermöglichen.

Als Sekretär des «European Club for Pediatric Burns» organisier­te er 2010 den 8. World Congress in Zürich. Seit 2014 unterstützt er mit seinem Team Habib Ur Raman Quasim in Kabul beim Aufbau der ersten Station für brandverletzte Kinder in Afghanistan.

Er ist Autor und Co-Autor von Publikationen wie «Schaut mich ruhig an – wie brandverletzte Kinder und Jugendliche ihr Leben meistern», welche 2009 den Publizistikpreis der Stiftung ­Gesundheit erhielt, oder dem ersten deutschen Standardwerk für plastische Kinderchirurgie, das er 2017 mit dem Freiburger Fachkollegen Björn Stark herausbrachte. Interdisziplinär forscht er zum Beispiel mit dem Psychologen in seinem Team, Prof. Markus Landolt, zur Stigmatisierung von Kindern mit ­Narben und angeborenen Auffälligkeiten oder mit dem Medizin­ethiker Prof. Giovanni Majo zu Fragen der Ökonomisierung in der Kindermedizin.

Clemens Maria Schiestl, 1958 in Freiburg i. B. geboren, lernte Krankenpfleger, machte das Abitur auf dem 2. Bildungsweg und studierte von 1983 – 1990 Medizin. Seine erste Assistenz machte er in der Allgemeinchirurgie, es folgte die Weiterbildung zum Kinderchirurgen und 1999 kam er an die Chirurgische Klinik des Universitäts-Kinderspitals nach Zürich, wo er nach der ­Vertiefung in Plastischer Chirurgie 2003 die Leitung des Zentrums übernahm.

Er ist verheiratet, hat drei Töchter und lebt mit seiner Familie in Zürich – seit 2014 ist er deutsch-schweizerischer Doppelbürger.


Plastische und rekonstruktive Chirurgie für brandverletzte Kinder

1977 wurde das Zentrum für brandverletzte Kinder am Universitäts-Kinderspital gegründet. Im europaweit ersten Zentrum dieser Art konnten erstmals Kinder mit Verbrühungen und Verbrennungen in einer Abteilung mit einem speziell ausgebildeten, multidisziplinären Team behandelt werden. Über die Jahre weitete sich diese Arbeit der plastischen und rekonstruktiven Chirurgie mehr und mehr aus, so dass zunehmend auch Kinder mit anderen Hautproblemen behandelt werden konnten. Neben grossen Narben nach Verbrühungen und Verbrennungen gibt es eine Reihe weiterer Hautdefekte mit verschiedenen Ursachen: grosse Hautdefekte nach schweren Allgemein-Infektionen, grosser Hautverlust nach schweren Unfällen oder die Folgen der Entfernung angeborener Hautveränderungen wie Muttermale, Hämangiome oder Lymphangiome.

Die plastische Chirurgie hat zum Ziel, diese Hautdefekte wieder so zu verschliessen, dass das Kind in seiner Bewegung nicht eingeschränkt ist und ein zufriedenstellendes ästhetisches Ergebnis erreicht wird. Je nach Ausmass und Lokalisation des Defektes werden Techniken der plastischen wie auch der rekonstruktiven Chirurgie eingesetzt.

Bei der Behandlung stehen sowohl die körperlichen, als auch die seelischen Spuren im Zentrum, die durch den Unfall, die Krankheit oder die Fehlbildung, die Therapie oder den Spitalaufenthalt entstehen können. Auch die Aufklärungsarbeit ist zentral: In einer Gesellschaft, in der das äussere Erscheinungsbild, also der Anspruch eines «makellosen Aussehens», immer wichtiger wird, steigt der soziale Druck auf diejenigen, die nicht dem «Standard» entsprechen. Das heisst Kinder und Jugendliche, die angeborene oder durch Krankheiten oder Unfälle bedingte Auffälligkeiten im Aussehen haben, können mit erheblichen psychosozialen Herausforderungen konfrontiert sein. Manche lernen gut damit umzugehen, andere kämpfen mit Beeinträchtigungen in Bezug auf die Lebensqualität, die Zufriedenheit mit ihrem Körperbild, den Selbstwert und die sozialen Beziehungen. Ein wichtiges Projekt im Zusammenhang mit dem Kinderspital Zürich ist «Sich(t)verändern»: Es hat zum Ziel, Vorurteile gegenüber Menschen mit Auffälligkeiten im Erscheinungsbild abzubauen und der Stigmatisierung von Betroffenen vorzubeugen.

Siehe auch www.hautstigma.ch

Festliche Preisverleihung im Careum Auditorium in Zürich

Rund 200 an den STAB-Aktivitäten Interessierte verfolgten die Verleihung des STAB-Preises 2018 am 3. November im modernen Auditorium Careum mit. Der Präsident der Stiftung STAB, Martin Vollenwyder, eröffnete das Programm und leitete mit viel Schwung zum humorvollen, mit persönlichen Anekdoten gewürzten, sprachlichen Feuerwerk des Laudators Prof. Dr. med. Martin Meuli über. Dieser ging anhand der Stichworte, die er sich nach und nach vom Preisträger geben liess, aus dem Stehgreif auf die vielen Facetten seines langjährigen und engen Arbeitskollegen ein. Die Rede des Preisträgers PD Dr. med. Clemens Schiestl schliesslich sorgte für die gelungene Abrundung der Feier: Ein Mann der leisen Töne, zeichnete er seinen Werdegang nach und liess bei seinen Ausführungen nebst seiner hohen Fachkompetenz seine menschlichen Qualitäten erahnen wie etwa Einfühlungsvermögen, Feinsinn, Kreativität und Beharrlichkeit.

Die Begrüssung des Präsidenten Martin Vollenwyder, die Laudatio von Prof. Dr. med. Martin Meuli sowie die Rede des Preisträgers PD Dr. med. Clemens Schiestl können Sie im PDF nachlesen.

> STAB_Jahrespreis_2018 (PDF 800 KB)

  • Careum Auditorium

  • Martin Vollenwyder (STAB-Präsident)

  • Careum Auditorium

  • PD Dr. med. Clemens Schiestl (STAB-Preisträger 2018)

  • Prof. Dr. med. Martin Meuli (Laudator STAB-Preisverleihung 2018)

  • Prof. Dr. med. Martin Meuli (Laudator STAB-Preisverleihung 2018)

  • Laudator (links) und Preisträger (rechts) im Dialog

  • Das Careum Auditorium mit rund 200 Gästen

  • Martin Vollenwyder liest den Urkundentext vor

  • PD Dr. med. Clemens Schiestl nimmt von Martin Vollenwyder den Preis entgegen

  • Musiker des Opern-Orchesters Zürich von rechts nach links: Laurent Tinguely (Trompete), Paul Muff (Trompete), Adrian Weber (Posaune), Markus Muff (Bassposaune)

  • PD Dr. med. Clemens Schiestl (STAB-Preisträger 2018)

  • PD Dr. med. Clemens Schiestl (STAB-Preisträger 2018)

  • PD Dr. med. Clemens Schiestl (STAB-Preisträger 2018)

  • PD Dr. med. Clemens Schiestl (STAB-Preisträger 2018)

  • Dr. Gusti Naville, Léonie Roth, Dr. Alex Rübel (STAB-Preisträger 2006)

  • Alex Jenny (STAB-Kuratorium) im Gespräch mit Gästen

  • Dr. Alex Rübel (STAB-Preisträger 2006) mit Yvonne Funk (STAB-Geschäftsführerin)

  • Richard Hunziker (STAB-Vizepräsident)

  • Ein junger fleissiger Fotograf

  • Gäste während dem Apéro

  • Ruedi Lutz (STAB-Preisträger 2015) und Pfr. Dr. Niklaus Peter (STAB-Laudator 2015)

  • Joseph Haas und Dr. Christine Stöckli-Harte

  • Pfr. Lukas Spinner (STAB-Kuratorium)

  • Dr. Christoph Hiller (STAB-Stiftungsrat) und Prof. Dr. Reiner Eichenberger (STAB-Preisträger 2016)

  • Prof. Dr. med. Martin Meuli, Robert Nef (STAB-Kuratorium und ehem. STAB-Präsident) mit PD Dr. med. Clemens Schiestl

  • Prof. Dr. med. Martin Meuli und PD Dr. med. Clemens Schiestl

  • PD Dr. med. Clemens Schiestl

  • Dr. Ursula Gut-Winterberger, Martin Vollenwyder, Katharina Kull-Benz

  • PD Dr. med. Clemens Schiestl im Kreis seiner Familie