Die Aufführung der STAB-Vortragsreihe wird verschoben und findet
am 5. September 2020, 17.00 Uhr im Fraumünster Zürich statt.

«Reportagen fürs Theater» von Anna Papst – Wahre Geschichten auf der Bühne

Fünf Performerinnen und Performer werden im Rahmen der STAB-Vortragsreihe Ausschnitte aus den verschiedenen «Reportagen fürs Theater» der Autorin und Regisseurin Anna Papst zeigen. Neben den Stücken «Ein Kind für alle» von 2015 und «Freigänger» von 2019 werden auch Texte aus zukünftigen, bisher unveröffentlichten Arbeiten zu hören sein.

Anna Papst beschäftigt sich seit Beginn ihrer Karriere mit dokumen­tarisch basierten Stücken und Projekten. Die «Reportage fürs Theater» stützt sich auf die drei folgenden Punkte: Sie orientiert sich an den Rahmenbedingungen des Printjournalismus und verhandelt Zeit­ge­schehen in theatraler Form. Alle Menschen, die in einer «Reportage fürs Theater» vorkommen, hat die Autorin persönlich zum Gespräch getroffen. Es gibt keine Fiktion, keine Erzähl­figur und keinen beschrei­benden Text – das gesamte Stück besteht aus verdichtetem O-Ton.

Vom STAB-Preisträger 2019 ausgewählt

Im Rahmen der STAB-Preisverleihung 2019 erklärte der Preisträger Pfarrer Dr. Niklaus Peter, weshalb er die Arbeiten von Anna Papst für die STAB-Vortragsreihe 2020 vorgeschlagen hatte: «Ich habe ohne Zögern die Autorin und Regisseurin Anna Papst genannt, weil ich ihre Theater­arbeit ausser­ordentlich schätze. Dies, weil sie wichtige Themen mit Mut und grosser Sensibilität aufgreift. Ihr 2015 mit Mats Staub ent­wickeltes Theater-Format ‹Reportage fürs Theater› beruht auf Recherchen und zu Theater­abenden verdichteten Original­gesprächen: Anna Papst spricht mit den Menschen, nicht über sie. Sie lässt sie zu Wort kommen – und bringt uns ins Nach­denken. Das erste Stück, das ich sah, war ‹Ein Kind für alle› (2015 im Theater Winkelwiese) zum Thema Kinderwunsch: diese Gespräche mit Paaren, Ärzten, Samen­spendern, Eizellen­empfänge­rinnen, schwulen Eltern, Lei­hmüttern, Seel­sorgern, Politike­rinnen, Spender­kindern, Ethikern und Singles über dieses Thema sind so bewegend, weil es um tiefe menschliche Wünsche, Lebens­projekte geht, um neue medizinische Techniken und deren Folgen: Existenzielles in der Spiegelung unter­schiedlicher moralischer Haltungen, ein dokumen­ta­risches Theater­stück, welches einlädt, eigene Urteile zurück­zustellen und hinzu­hören – für mich eine theater­gewordene Form von mitmenschlicher Aufmerksam­keit, Sympathie und Gerechtig­keit. Die zweite ‹Reportage fürs Theater› mit dem Titel ‹Freigänger› (Januar 2019 am Konzert Theater Bern) kreist um das Thema der Resozia­lisierung ehe­maliger Straf­täter. Während drei Jahren (2016–2019) sprach Anna Papst mit rund dreissig Gefangenen, mit Ange­hörigen, ehemaligen Straf­tätern sowie mit Mitarbeitern und Mit­arbeiterinnen des Strafvollzugs, auch hier: ins Theater gebrachte Reflexion über Schuld, Strafe, Verant­wortung, Freiheit und Gefähr­dungen. In einem neuen Projekt untersucht Anna Papst Körper­bilder, reale menschliche Vor­stellungen von Sexualität und Erotik jenseits der so prägenden medialen Über­sexualisierung – Gespräche mit Menschen über ihre Körper­vorstellungen, ihre Verletzlich­keit, über Sehn­süchte, über eigene oder fremde Normen und deren Wirkungen.»

Von der intimen zur öffentlichen Interviewsituation

Anna Papst inszeniert ihre «Reportage fürs Theater» als enacted oral history, eine Aufführung verschiedener Zeitzeugenberichte aus dem Hier und Jetzt. Die intime Interviewsituation, in der die realen Gesprächs­partnerinnen und -partner der Autorin ihre Geschichten erzählt haben, wird zu einer öffentlichen, bei der Schauspielerinnen und Schauspieler die Rolle der Befragten einnehmen, und die Zuschauer die des Befragenden.

An der szenischen Lesung vom 5. September im Fraumünster Zürich werden fünf Performerinnen und Performer in den Räumen des Fraumünster Texte aus dokumentarischen Arbeiten der Autorin vortragen. Das Publikum erlebt das Format «Reportage fürs Theater» und seine Besonderheiten so in Kurzform. Musikalisch begleitet wird der Anlass durch ein Solokonzert des Perkussionisten Jonas Ruther.

Anna Papst schloss 2011 ihr Regiestudium an der ZHdK ab. Seit ihrem Debut «Die Schläferinnen» im 2010 am Theater Neumarkt arbeitet sie als Autorin und Regisseurin an diversen Stadttheatern, Festivals und Theaterhäusern der Freien Szene. Ihre erste «Reportage fürs Theater» mit dem Titel «Ein Kind für alle» wurde 2015 im Theater Winkelwiese uraufgeführt, war bis 2018 auf Tournee und stand auf der Shortlist des Schweizer Theatertreffens. Ihre zweite «Reportage fürs Theater», «Freigänger», wurde 2019 im Konzert Theater Bern uraufgeführt und wird bis 2021 weiter zu sehen sein. Aktuell und noch bis Ende 2020 zu sehen sind ausserdem «AOUUUU!» sowie «Mondlandung in Stettbach». Kommende Projekte sind «Extensions» ab Juni 2020 im Sogar Theater und im Dezember 2020 «recordor ergo sum» (AT) sowie «Sexual Healing» (AT) im Juli 2021.

> Zur Website von Anna Papst

Anmeldung

Wir freuen uns, dass Sie sich für «Reportagen fürs Theater» von Anna Papst interessieren. Die Aufführung im Rahmen der STAB-Vortragsreihe findet statt am Samstag, 5. September 2020, um 17.00 Uhr im Fraumünster Zürich. Im Anschluss an die rund einstündige Performance sind Sie zu einem Apéro riche eingeladen. Anmeldeschluss ist der 20. August 2020.

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