Georg Häsler
Preisverleihung: 31. Oktober 2026 – Careum Auditorium, Zürich
Die Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur (STAB) hat am 31. Oktober 2026 ihren Jahrespreis an den 1972 geborenen NZZ-Redaktor und Sicherheitsexperten Georg Häsler verliehen. Mehrere hundert Gäste nahmen an der Feier im Careum in Zürich teil.
Stiftungspräsident Martin Vollenwyder begründete die Wahl mit Häslers fundierten Analysen. Damit habe er die Meinungsbildung in der Schweiz zu geopolitischen Fragen entscheidend bereichert, frei von politischen Scheuklappen und im Dienst der liberalen Demokratie.
Divisionär a. D. Alain Vuitel stellte in seiner Laudatio den überzeugten Liberalen vor, der früh vor Selbsttäuschung der Schweiz gewarnt hat. Freiheit und Demokratie seien nicht selbstverständlich, sondern müssten aktiv geschützt werden. Vuitel skizzierte ein Verständnis von umfassender Sicherheit, das weit über das Militärische hinausgeht. Dazu gehören für ihn ein starker gesellschaftlicher Zusammenhalt, eine informierte Öffentlichkeit, verlässliche Infrastrukturen, handlungsfähige Behörden und eine leistungsfähige Wirtschaft. Erst zusammen mit einer Armee, die das Land verteidigen kann, schaffen sie Widerstandskraft. Häsler sei kein Nationalist, betonte Vuitel, sondern zeige, warum Souveränität auf Kooperation angewiesen ist.
In seiner Dankesrede vertiefte Georg Häsler zwei Begriffe, die ihn aus der militärischen Praxis ins zivile Engagement begleiten: Grundkonsens und Gesamtrahmen. Er warnte vor einer Polarisierung, die durch Algorithmen verstärkt wird, und vor den radikalen Rändern links und rechts. Häsler plädierte für eine demokratische Diskussionskultur, intellektuelle Disziplin und starke Medien, die eine informierte Öffentlichkeit ermöglichen. Einen Grossteil des Preisgelds will er für humanitäre Hilfe in der Ukraine einsetzen.
Die Stiftung STAB gratuliert Georg Häsler herzlich und dankt ihm für sein Engagement für eine freie, verantwortungsvolle und demokratische Gesellschaft.
«Die Geopolitik ist ins Zentrum unserer Aufmerksamkeit gerückt. Mit Georg Häsler zeichnen wir einen klugen Denker aus, der sich mit den geopolitischen Auswirkungen auf die Schweiz befasst und für Werte wie Unabhängigkeit und Freiheit einsteht. Dies sind Werte, die die Stiftung STAB vertritt.»
Martin Vollenwyder, Präsident Stiftungsrat STAB
Vita Georg Häsler
Georg Häsler, geboren 1972 in Bern, ist klassischer Philologe. Nach mehreren Jahren beim Schweizer Fernsehen arbeitet er seit 2020 als Sicherheitspolitik-Spezialist bei der Neuen Zürcher Zeitung. Er ist Oberst der Schweizer Armee und FDP-Stadtrat in Bern.
Laudator/in: Divisionär a.D. Alain Vuitel
Er studierte Wirtschaftswissenschaften an der Universität Neuenburg sowie Internationale Studien am King’s College London. Seine militärische Laufbahn führte ihn über verschiedene Kommando- und Stabsfunktionen bis an die Spitze der Schweizer Armee. Zu seinen wichtigsten Stationen zählen die Funktion als Chef des Militärischen Nachrichtendienstes sowie die Gründung des Kommandos Cyber der Schweizer Armee.
Von 2024 bis Ende Juni 2026 war er als Stabschef Operative Schulung verantwortlich für die Planung und Durchführung von Übungen auf Stufe Armee sowie für die militärstrategische Ausbildung der höheren Stabsoffizierinnen und Stabsoffiziere.
Preisverleihung vom 31. Oktober 2026
Die Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur (STAB) zeichnet jedes Jahr Persönlichkeiten aus, die sich für frei und persönlich bestimmte mitmenschliche Verantwortung und für Rücksicht auf die Nachwelt einsetzen. Sie ehrt damit einen ausserordentlichen Beitrag zur Pflege abendländischer Grundwerte.
Am 31. Oktober 2026 hat die Stiftung ihren Jahrespreis an Georg Häsler verliehen, Redaktor der «Neuen Zürcher Zeitung» und Sicherheitsexperte. Mehrere hundert Gäste nahmen an der Feier in Zürich teil.
Der Preisträger
Georg Häsler wurde 1972 in Bern geboren. Er ist Journalist, Milizoberst und vertritt die FDP im Berner Stadtrat. Bei der NZZ hat er das Angebot «NZZ Pro» wesentlich mitgeprägt, das sich vertieft mit Geopolitik, Weltwirtschaft und Sicherheit befasst.
Stiftungspräsident Martin Vollenwyder würdigte Häslers fundierte und zugleich allgemein verständliche Artikel und Analysen. Damit habe er die Meinungsbildung in der Schweiz zu geopolitischen Fragen entscheidend geprägt. Die Stiftung ehrt ihn für eine Arbeit ohne politische Scheuklappen, die der liberalen Demokratie dient.
Laudatio: Sicherheit umfassend denken
Divisionär a. D. Alain Vuitel würdigte in seiner Laudatio drei Seiten des Preisträgers: den Journalisten, den Milizoffizier und den überzeugten Liberalen. Ausgangspunkt war ein Blick auf die Weltlage. Machtpolitik ist zurückgekehrt, Grenzen werden wieder mit Gewalt verschoben, und strategische Abhängigkeiten gewinnen an Gewicht. Georg Häsler mache verständlich, dass die Welt für die Schweiz keine blosse Kulisse sei und dass Freiheit und Demokratie nicht von selbst bestehen, sondern geschützt werden müssen. Dabei sei er kein Nationalist. Vielmehr zeige er, warum Souveränität Kooperation braucht. Vuitel beschrieb ihn als humorvollen Humanisten, der bernische Nüchternheit mit lateinischer Lebensfreude verbinde. Häsler trete für eine echte Gesamtverteidigung ein. Das tue er nicht aus Begeisterung für das Militär, sondern weil er die Schweiz vor Krisen und Krieg bewahren wolle.
Daran anknüpfend entwickelte Vuitel ein Verständnis von umfassender Sicherheit, das aus mehreren eng verknüpften Elementen besteht. An erster Stelle steht der gesellschaftliche Zusammenhalt, verbunden mit der Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Dazu kommen eine gut informierte Öffentlichkeit und funktionierende Kerninfrastrukturen wie Stromversorgung und Informatik. Ebenso nötig sind handlungsfähige Behörden, die auch in Krisen führen können, und eine verlässliche Versorgung mit Lebensmitteln, Gesundheitsleistungen und Finanzdienstleistungen. Hinzu kommen eine leistungsfähige Wirtschaft und schliesslich eine Armee, die das Territorium verteidigen kann. Erst im Zusammenspiel all dieser Elemente entstehen Abschreckung und Widerstandskraft. Vuitel forderte dafür klare Investitionen, politische Führung und einen überparteilichen Konsens. Als Ergänzung zur Souveränität kleiner Staaten regte er pragmatische regionale Zusammenarbeit an, etwa im Alpenraum. Sicherheit, so sein Fazit, sei nie nur eine militärische Frage, sondern immer auch eine kulturelle und gesellschaftliche.
Dankesrede: Grundkonsens und Gesamtrahmen
In seiner Dankesrede vertiefte Georg Häsler zwei Begriffe, die sein Denken prägen und die er aus der militärischen Praxis in sein ziviles Engagement übernommen hat: Grundkonsens und Gesamtrahmen. Mit Sorge sieht er, wie Algorithmen die Öffentlichkeit zersplittern und Debatten zuspitzen. Ebenso warnte er vor einem schwindenden Zusammenhalt in Europa und vor den Folgen des Klimawandels. Ausserdem warnte er vor einer Umwertung der Werte durch die radikalen Pole links und rechts. Als Gegengewicht sieht er einen freisinnig geprägten Liberalismus.
Häsler plädierte für Geist, intellektuelle Disziplin und eine lebendige demokratische Diskussionskultur. Die Armee versteht er auch als Ort des gesellschaftlichen Zusammenhalts, der unter demokratischer Kontrolle steht. Ein besonderes Anliegen sind ihm starke Medien. Institutionen wie die SRG und die NZZ ermöglichen eine informierte Öffentlichkeit, und ohne sie könne eine Demokratie nicht funktionieren. Er schloss mit dem Aufruf, den schweizerischen, europäischen und aufklärerisch-abendländischen Grundkonsens aktiv zu pflegen und im Gesamtrahmen zu denken.
Preisgeld für die Ukraine
Einen Grossteil des Preisgelds will Georg Häsler für humanitäre Hilfe in der kriegsversehrten Ukraine einsetzen. Im Dezember reist er nach Charkiw, um dort eine polnische Hilfsorganisation zu unterstützen.