Die Stiftung STAB vergibt jährlich einen der bedeutendsten gesellschaftspolitischen Preise der Schweiz
Die Stiftung STAB verleiht seit 1977 jährlich einen mit 50’000 Franken dotierten Jahrespreis. Er geht an Persönlichkeiten und Organisationen, die sich für die Idee der frei und persönlich bestimmten mitmenschlichen Verantwortung und der Rücksichtnahme auf die Nachwelt einsetzen und die einen ausserordentlichen Beitrag zur Pflege abendländischer Grundwerte leisten.
Daniel Rohr ist STAB-Preisträger 2023
Für Daniel Rohr ist Theater ein Gesamtkunstwerk, bei dem sich alle Beteiligten in die Hände arbeiten: die Schauspielerinnen, die Regie, die Bühnenbildner und Kostümbildnerinnen, die Musiker, die Technikerinnen, die Administration, ja auch die Gastronomie.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theater Rigiblick, inzwischen rund 20 festangestellte und 20 im Stundenlohn arbeitende, sind eine grosse Familie und stehen Daniel Rohr mit grossem Engagement zur Seite. Den familiären Charakter spürt auch das Publikum: Das Team pflegt eine Gastfreundschaft, die so wohltuend wirkt, dass viele Gäste nach der Aufführung regelmässig noch eine Weile im Theater bleiben.

Krisenfest
Der starke Zusammenhalt hat sich gerade in Krisenzeiten bezahlt gemacht. In der Pandemie wurde innerhalb von zwei Monaten das Festival «Open Air Rigiblick» ins Leben gerufen: ein Projekt, dank dem auch in der schwierigen Zeit Inszenierungen im Freien stattfinden konnten. Gleichzeitig wurde ein Fonds gegründet, der dafür sorgte, dass während der Pandemie 140 Kunstschaffende weiterhin ihren Lohn erhielten.
Der Mensch als mitfühlendes Wesen
Theater heisst Geschichten erzählen – bei den Inszenierungen des Theater Rigiblick oft in Kombination mit Musik. Daniel Rohr ist überzeugt, dass Musik ein einzigartiges Mittel ist, um Menschen zu berühren. Das Publikum kommt ins Theater: um mitzuerleben, mitzuleiden, sich mitzufreuen, und um danach «geläutert» wieder in den Alltag zurückzukehren – «Katharsis» heisst das seit den alten Griechen. Mitgefühl und Einfühlung verbindet die Menschen. Daniel Rohr betont, er setze sich mit ganzer Kraft für Menschlichkeit ein. Das schliesse aus, Themen zynisch oder menschenverachtend zu vermitteln. Er versuche wahrhaftig, offen und beweglich zu bleiben und verfolge das Zeitgeschehen aufmerksam. Das Theater Rigiblick hat mit dem Stück «Fahrenheit 451» zum Beispiel früh auf den Krieg in der Ukraine reagiert. Auch plant Daniel Rohr – um jüngeren Leuten ein Forum für ihre eigenen Geschichten zu geben – eine Reihe, die RAP zum Thema hat.
Verbindungen
Daniel Rohr bringt Menschen zusammen, pflegt Kontakte. Das drückt sich in seiner kontinuierlichen Zusammenarbeit mit vielen Schauspielerinnen und Schauspielern, Musikerinnen und Musikern aus. Es ist ein Beziehungsnetz entstanden, das weit über die Schauspiel- und Theaterszene hinausreicht.
Daniel Rohrs Arbeitstag habe 48 Stunden, behauptet er scherzhaft. So sei es möglich, all die verschiedenen Hüte, also den des Theaterleiters, des Produzenten, Regisseurs, Konzeptmachers, Kurators und Schauspielers, zu tragen. Sein unerschöpflicher Einsatz zusammen mit seinem Team haben dem Theater Rigiblick eine treue Anhängerschaft eingebracht. Die Aufführungen – das Theater verfügt über 200 Plätze – sind durchwegs gut verkauft, wenn nicht gar ausverkauft. Einzelne Produktionen wie «Azzurro», «Goethes Faust – erzählt mit Songs aus Rock und Pop», «To the Dark Side oft the Moon» oder «Miles Davis meets Henning Mankell» werden seit mehr als 10 Jahren gezeigt.
Zukunftsmusik
Das einstige Quartiertheater hat sich in den rund 20 Jahren, in denen es von Daniel Rohr geleitet wird, enorm verändert: Es begann 2004 mit 1,2 Stellen und einem jährlichen Umsatz von 110‘000 Franken. Heute setzt es mit 40 Angestellten 3 Millionen Franken um. Daniel Rohr weiss, dass es anspruchsvoll ist, das Niveau eines so erfolgreichen KMU nur schon zu halten. Aber immer neue Ideen, wie Text und Musik auf der Bühne in Verbindung gebracht werden können, machen Mut und beflügeln den Theaterleiter.

Der Laudator Daniel Fueter
Daniel Fueter, 1949 in Zürich geboren, studierte an der Musikhochschule Zürich Klavier. Zu seinen Kompositionen gehören Bühnenmusiken, musiktheatralische Stücke, Kantaten, Lieder, Chansons, Kammermusik- und Klavierwerke. Sein Tätigkeitsfeld umfasst die Liedbegleitung an Konzerten, die Mitarbeit bei musiktheatralischen Projekten sowie das Dozieren an den Musikhochschulen von Zürich, Lugano und Karlsruhe und an Kursen in vielen europäischen Ländern zu den Themen Liedgestaltung und Chansons.
Hinzu kommen diverse administrative Aufgaben, u.a. als Präsident des Schweizerischen Tonkünstlervereins und des Dachverbandes Suisseculture, als Mitglied des schweizerischen Wissenschafts- und Technologierates sowie als Rektor der Hochschule Musik und Theater Zürich. Daniel Fueter erhielt zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen.
Er ist verheiratet mit der Pianistin Eriko Kagawa.