STAB-Vortragsreihe, 15. Juni 2019, Hörsaal Universitäts-Kinderspital Zürich

«Neue Wege in der Verbrennungschirurgie»

Im Rahmen der STAB-Vortrags­reihe berich­teten zwei Spezia­lis­tinnen der Abtei­lung Plas­tisch-Rekon­struk­tive Chir­urgie und Verbren­nungs­me­dizin der Chir­ur­gi­schen Klinik des Univer­si­täts-Kinder­spi­tals Zürich darüber, wie eng klini­scher Alltag und Forschungs­tä­tig­keit bei ihnen zusam­men­spielen. Das klini­sche Forschungs­team ist auf bestem Weg, derzeit laufende Studien erfolg­reich abzu­schliessen, die der Verbren­nungs­me­dizin zu einem Quan­ten­sprung verhelfen könnten.

Im ersten Referat «Kinder mit schweren Verbren­nungen – das Problem» stellte Frau Dr. med. Kathrin Neuhaus die Abtei­lung für Plas­tisch-Rekon­struk­tive Chir­urgie und Verbren­nungs­me­dizin vor, in der unter anderem schwerst­brand­ver­letzte Kinder für die gesamte Deutsch­schweiz, aber auch aus dem Ausland behan­delt werden. Die Entwick­lung und die Errun­gen­schaften des euro­pa­weit führenden Zentrums kommen heute brand­ver­letzten Kindern welt­weit zugute. Die Fach­ärztin für Kinder­chir­urgie und Spezia­listin für plas­tisch-rekon­struk­tive Chir­urgie bei Kindern und Jugend­li­chen erläu­terte, wie komplex die Situa­tion eines Kindes oder Jugend­li­chen mit schweren Verbren­nungen ist. Sie ging darauf ein, was es medi­zi­nisch bedeutet, wenn ein Kind eine schwere Verbren­nung erleidet, und wo histo­risch und aktuell die Grenzen der Medizin liegen. Ein weiteres Augen­merk legte sie auf die unab­ding­bare inter­dis­zi­pli­näre Zusam­men­ar­beit, die bei der oft Monate andau­ernden Betreuung und Behand­lung dieser Pati­enten und ihrer Fami­lien notwendig ist: Das chir­ur­gi­sche Ärzte­team ist dabei Teil eines grossen inter­pro­fes­sio­nellen Teams bestehend aus Fach­pfle­ge­per­sonen, Wund­spe­zia­listen, Derma­to­logen, Inten­siv­me­di­zi­nern, Anäs­the­sisten, Ergo- und Physio­the­ra­peuten, Kinder­gärt­nern, Lehrern, Ernäh­rungs­be­ra­tern, Psycho­logen und Sozi­al­ar­bei­tern.

PD Dr. med. Sophie Bött­cher erläu­terte im zweiten Referat «Kinder mit schweren Verbren­nungen – die Lösungs­an­sätze» die Entste­hungs­ge­schichte der «neuen Haut aus dem Labor», die zur Behand­lung der schwer­brand­ver­letzten Kinder aktuell in Studien bereits einge­setzt wird.

Wenn die eigene Haut nicht ausreicht, braucht es Hautersatz

Grund­sätz­lich wird die tief verbrannte Haut durch Haut­trans­plan­ta­tionen von anderen Körper­stellen des Pati­enten behan­delt. Bei sehr schweren Verbren­nungen, bei denen über 60% der Körper­ober­fläche geschä­digt sind, steht jedoch nicht genug eigene, gesunde Haut, die trans­plan­tiert werden könnte, zur Verfü­gung. Da kommt die Haut­er­satz­for­schung ins Spiel. Frau Dr. med. Sophie Bött­cher zeigte auf, welchen langen Weg – den hohen Auflagen der kanto­nalen Ethik­kom­mis­sion und von Swiss­medic Rech­nung tragend – die spezi­elle Haut­for­schung bereits genommen hat: von der ersten Idee im Labor über das inten­sive Testen bis hin zum Meilen­stein, die gezüch­tete Haut am Pati­enten erst­mals anwenden zu können. Die Vision lautet, beliebig viel eigene Haut für einen Pati­enten indi­vi­duell im Labor herzu­stellen und diese zu trans­plan­tieren, um somit sowohl die Über­le­bens­chance des Pati­enten weiter markant zu erhöhen, als auch ihm zu einer möglichst hohen Lebens­qua­lität zu verhelfen; denn diese «neue» Haut aus dem Labor soll besser mitwachsen als die Haut, die bisher trans­plan­tiert wurde. Das würde ihm sogar mindes­tens einen Teil der im Laufe seines weiteren Wachs­tums in der Regel notwen­digen Folge­ope­ra­tionen ersparen.

Die Begrüs­sung des Stif­tungs­prä­si­denten Martin Vollenwyder, die Einlei­tung des STAB-Preis­trä­gers 2019 PD Dr. med. Clemens Schiestl sowie die beiden Refe­rate von Frau Dr. med. Kathrin Neuhaus Frau PD Dr. med. Sophie Bött­cher können Sie im folgenden PDF nach­lesen:

neuhaus3
Dr. med. Kathrin Neuhaus

ist Fach­ärztin für Kinder­chir­urgie, spezia­li­siert auf Plas­tisch-Rekon­struk­tive Chir­urgie und Verbren­nungs­me­dizin bei Kindern und Jugend­li­chen. Sie ist seit 2012 Ober­ärztin und Stell­ver­tre­terin des Leiters der Abtei­lung Plas­tisch-Rekon­struk­tive Chir­urgie und Verbren­nungs­me­dizin des Univer­si­täts-Kinder­spi­tals Zürich, PD Dr. med. Clemens Schiestl. Bevor sie 2008 nach Zürich kam, arbei­tete sie seit 2004 am «Dr. von Hauner­schen Kinder­spital» in München. Von 2015 bis 2017 absol­vierte sie ein 2‑jähriges Fellow­ship für Pedia­tric Plastic Surgery am «Hospital for Sick Children» in Toronto, Kanada. Frau Dr. med. Neuhaus ist verhei­ratet, hat zwei Kinder und lebt in Zürich.

boettcher2
PD Dr. med. Sophie Böttcher

ist seit 2015 Ober­ärztin der Chir­ur­gi­schen Klinik und seit 2017 Ober­ärztin in der Abtei­lung für Plas­tisch-Rekon­struk­tive Chir­urgie und Verbrennungs­medizin des Univer­si­täts-Kinder­spi­tals Zürich. Sie unter­brach ihre klini­sche Weiter­bildung für eine mehr­jährige Forschungs­tätigkeit im Labor der 2001 gegrün­deten «Tissue Biology Rease­arch Unit», das eng mit der Abtei­lung für Plas­tisch-Rekon­­­struk­tive Chir­urgie und Verbrennungs­medizin zusam­men­ar­beitet. Hier befasste sie sich vorwie­gend mit der Her­stellung künst­lich pigmen­tierter Haut und erlangte 2017 mit dieser Arbeit ihre Habili­tation. Danach kehrte sie in die Klinik zurück. Seit Oktober 2018 arbeitet sie am Londoner «Great Ormond Street Hospital» in der Kinder­chirurgie und wird im November 2019 wieder nach Zürich ins Univer­si­täts-Kinder­­spital zurück­kehren. PD Dr. med. Sophie Bött­cher ist ver­heiratet, hat zwei Kinder und lebt zurzeit in London.

Impressionen vom Vortrag und dem anschliessenden Apéro