
Laudatio von Alex Rübel für Benno Lüthi anlässlich der Verleihung des Jahrespreises 2025 der Stiftung STAB vom 25. Oktober 2025
Lieber Benno,
sehr geehrter Herr Präsident, lieber Martin Vollenwyder,
sehr geehrte Mitglieder des Stiftungsrats und des Kuratoriums,
meine sehr verehrten Damen und Herren
Wer ist Benno Lüthi? Was macht ihn zu einem verdienten Empfänger des Jahrespreises der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur? Er ist ein Mensch, auf den man zugehen kann und der auf einen zukommt. Davon möchte ich hier berichten und erlaube mir, Dich Benno, dabei einfach mit dem Vornamen anzusprechen. So kennen Dich alle.
Natürlich sind es die Tiere, die uns zusammengebracht haben. Doch Benno ist mehr als ein Tierfreund. Bei ihm kommt alles zusammen, was einen Menschen in unserer abendländischen Gesellschaft ausmacht, Engagement, Tierfreundlichkeit, Menschenfreundlichkeit, Didaktik und ein Leben, das die schönen Seiten und den Humor nicht ausschliesst.
Unter diese Begriffe möchte ich auch diese Laudatio stellen, und Dir ganz herzlich zu dieser Auszeichnung der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur gratulieren.
Beginnen möchte ich bei den Tieren, es ist unsere gemeinsame Passion, dort habe ich Dich kennengelernt.
Benno Lüthi, der Tierfreund
Dass man Tierfreund wird und Tiere als Freunde bezeichnen kann, ist nicht selbstverständlich. Es ist entscheidend, die Tiere und ihre Verhaltensweisen erst kennenzulernen und zu verstehen. Kleine Kinder sind neugierig, so sind Katzen, zum Beispiel, bei einem ersten Kontakt mit dem Kind einfach ein spannendes, sich bewegendes und lautgebendes Objekt, ein Spielzeug. Es braucht hier das Eingreifen eines Erwachsenen, um dem Kind zu zeigen, dass Tiere mehr sind als Spielautos. Sie können Empfindungen zeigen. Ist ein erster Schritt getan, geht es darum, sich mit den Tieren auseinanderzusetzen. Erst mit der Zeit entsteht dann eine gegenseitige Freundschaft. Nicht nur ich bin so zur Tierwelt gekommen, Benno ging es genauso.
Schon als kleiner Junge zog es ihn zu den Tieren, zunächst nach Obersaxen in den Landdienst zur Familie Janka, wo er für alles eingesetzt werden konnte, zum Hüten, zum Heuen oder zum Misten. Der Lohn war nicht monetär, es war die Freude an den Tieren, (speziell am Appenzeller Hund Flink, der ihn zum Einkaufen begleitete) die ihn für die Arbeit entschädigte. Er liebte es, Tiere zu beobachten, am Samstag im Schrebergarten oder auch im Zoo, wo er als Trophäe auch mal einen Stachel aus dem Gehege der Stachelschweine mit nach Hause nahm. Seine Liebe zu den Tieren setzte sich fort, als er mit seiner Frau Marianne, die in ihrem Leben immer Katzen hatte, eine sechs Wochen alte angefahrene Katze auf der Autobahn aufnahm, die von nun an zur Familie gehörte.
Freunde unterstützt man, wenn man ihnen einen Dienst erweisen kann. Und so galt sein Interesse immer mehr auch anderen Tieren. Er schätzte den Spaziergang zur kleinen, so genannten Franzosenhöhle in der Nähe, in der eine Fledermauspopulation hauste, die für ihn eine wunderbare Beobachtungsmöglichkeit bot. Aufgegriffene Fledermäuse, die dem Tierfreund gebracht wurden, brachte er dorthin zur Überwinterung, die Höhle mit ihrer ausgeglichenen Temperatur war dafür geradezu ideal. Wie gross war seine Enttäuschung, als eine Gruppe Jugendlicher im Übermut die Fledermäuse mit Feuer und Rauch aus der Höhle vertrieb. Es war eines der Erlebnisse, das Benno motivierte, sich in allen Phasen des Lebens für die bedrängten, bedrohten Tiere einzusetzen. Und dies natürlich auch gerade für die Fledermäuse. Seine Mitarbeit in der Fledermausstiftung ist Zeugin und Folge dieser ersten Begegnung mit dieser grössten Säugetiergruppe der Schweiz. Diese Stiftung, die heute im Zoo Zürich domiziliert ist, betreibt eine Auffangstation für Fledermäuse und fasziniert mit einer interaktiven Ausstellung im Zoo, die Kindern und Erwachsenen diese dämmerungsaktiven Tiere näherbringt und ihr Verhalten erklärt. Auf ganz ähnliche Art kam es zu Bennos Mitarbeit in der Wölfli-Stiftung, mit der er unter anderem auch den Igelschutz unterstützt. Igel gehören in unsere Landschaft, können durchaus auch in unseren Gärten leben, wenn die entsprechenden Strukturen noch vorhanden sind. Andernfalls brauchen sie Unterstützung, wie sie diese Stiftung anbietet.
Natürlich gehört dazu, dass auch sein eigenes Heim ganz zum Lebensraum der einheimischen Tierarten geworden ist. So finden jährlich bis zu 26 Mehlschwalben ihren Nistplatz am Haus, aus denen dann bis zu 100 Jungtiere schlüpfen. Die Liegenschaft wird entsprechend gepflegt, für die Igel ein perfektes Haus gebaut, das jährlich für die Überwinterung bezogen wird und Benno scheut sich nicht, den Nachbarn aufzufordern, auch am Neubau wieder Nistmöglichkeiten für die Schwalben zu ermöglichen und es ihm gleichzutun, um diesen Naturraum zu erweitern und damit den einheimischen Tieren grössere Überlebenschancen zu bieten.
Als ihm in der Gemeinde Küsnacht auffiel, dass immer mehr Frösche und Kröten auf den Strassen beim Rumensee und Schübelweiher überfahren wurden und niemand das Amt des Amphibienbetreuers übernehmen wollte, musste man bei Benno und Marianne nur einmal nachfragen. 25 Jahre hatten sie dieses Amt in Küsnacht inne. Zuerst versuchten sie, die Amphibien mit einer Abschrankung vom Queren der Strasse abzuhalten, sie dann in den Kübeln aufzufangen und jeweils am Morgen über die Strasse zu tragen. Diese aufwendige Methode will heute in ihrer Nachfolge niemand mehr machen. Er engagierte sich deshalb in der Gemeinde, bis diese zustimmte, die entsprechenden Abschnitte für die Wanderungszeit der Tiere nachts mit einer Barriere zu sperren.
Ich lernte Benno im Zoo kennen, als er sich als Zoo-Freiwilliger gemeldet hatte und uns auch hier mit guten Ideen aktiv half, unsere Aufgaben noch besser wahrzunehmen. Dass die Freiwilligenarbeit in der Tierpflege möglich wurde oder wir Maturaarbeiten für Gymischüler anboten, kam auf seine Initiative hin zustande. Gerne half Benno im Revier mit den Huftieren und Kamelen aus, wenn Not an Arbeitskraft vorhanden war. Seine Liebe zu den Kamelen wurde immer stärker und er liess sich offiziell als Kamelpfleger ausbilden. Heute kann er mit den Kamelen umgehen wie keine andere oder kein anderer im Zoo. Mit grosser Freude führt er die Kamele jedes Jahr bei der Zunft zum Kämbel durch die Innenstadt von Zürich. So kam er auch in Kontakt mit dem Kamelhof in Olmerswil, dem er unter die Arme griff, als es darum ging, einen artgerechten, topmodernen Stall zu bauen. Als sich eine fatale Parasiteninfektion im Bestand ausbreitete, setzte er alles daran, sofort die Ursachen zu bestimmen und Hilfe zu leisten. Jetzt hat er auch dafür gesorgt, dass die alternden Kamele aus dem Zoo dort ihren Lebensabend verbringen dürfen.
Wer bedrohte Tiere erhalten will, muss dafür schauen, dass auch der entsprechende Lebensraum erhalten bleibt. Auf einer Antarktisreise gründete er daher mit zwei Mitstreitern den Antarctic Research Trust in der Schweiz und auf den Falkland-Inseln, der es sich zum Ziel gemacht hat, dank Forschung die Bedingungen für das langfristige Überleben der Pinguine und Albatrosse zu erforschen. Die Stiftung hat unterdessen auf politischer Ebene erreicht, dass gewisse Zonen, die als Nahrungsgründe für die Pinguine an der argentinischen Küste entscheidend sind, während der entsprechenden Jahreszeit für Fracht- und Fischfangschiffe gesperrt sind. Als dann 2016 eine grössere Insel in Falkland, sie heisst Hummock, zum Verkauf stand, erwarb er zusammen mit Marianne diese für den Trust. Sie ist unterdessen zu einem Naturschutz-Vorbildprojekt auf Falkland geworden, das auf das ganze Archipel und seine Bewohner ausstrahlt. Mit fast 200’000 Tussok-Pflanzen wurde die erodierte Insel wieder aufgeforstet und bietet nun einen geschützten Lebensraum für Pinguine, Kormorane, Caracaras, Eulen und seltene Bodenbrüter. Damit diese Initiative weitergeht und genügend Donatoren findet, begleitet Benno immer wieder Reisen in die Antarktis. Im Januar 2027 haben Sie wieder die einmalige Gelegenheit, mit Benno dorthin zu fahren, wenn das Meer günstig ist, die Insel Hummock zu besuchen, wo Sie die dortigen Fortschritte selbst sehen können. Er wird Ihnen die dramatische Geschichte der Expedition von Ernest Shakleton erzählen und mit Ihnen an seinem Grab in Grytviken auf Südgeorgien mit Whisky anstossen. Vergessen Sie nicht, dass der letzte Schluck dem Antarktispionier gehört.
Benno gestaltet auch jedes Jahr einen Kalender mit seinen besten Bildern und ist sich nicht zu schade, jede einzelne der bestickten Servietten, die er für das Fundraising bekommen hatte, selbst zu bügeln.
Zusammenfassend kann man mit Emanuel Kant sagen: Man erkennt das Herz eines Menschen daran, wie er Tiere behandelt. Und dieses Herz ist bei Benno besonders gross.
Das gilt nicht nur gegenüber den Tieren, es gilt auch gegenüber den Menschen. Was ein Mensch an Gutem in die Welt hinausgibt, geht nicht verloren, hat Albert Schweitzer gesagt.
Ich komme deshalb zu:
Benno Lüthi, der Menschenfreund und Didakt
Als Laborant bei seinem Professor hat Benno lebenslanges Lernen kennengelernt, ein Prinzip, dass er sich zu eigen machte. Dass man es mit Lerneifer, Arbeit und Einsatz zu etwas bringt, zeigte er exemplarisch. Bald hatte Benno seine eigene, erfolgreiche Labor-Firma. Es galt bei seinen Mitarbeitern: Wer gut arbeitet, für den ist gesorgt, wie es sich für einen guten Patron gehört. Der spätere Verkauf dieser Firma ermöglichte ihm dann, sich ganz seinen eigenen Interessen zu widmen.
Wer sich für ein ethisch gutes Leben in unserer Gesellschaft einsetzt, weiss, dass dieses bei der Jugend beginnt. 12 Jahre hat Benno deshalb in der Schulpflege gearbeitet und stets versucht, die Schule mit der Freude an der Natur und den Tieren zu verbinden. Im Zoo gründete er ein Projekt mit dem Namen Zoo-Jugend forscht. Computer wurden zur Verfügung gestellt und die Schüler konnten im Zoo unter seiner Betreuung ihre Maturaarbeit machen.
Zuletzt werden wir nur das schützen, was wir lieben, wir werden nur das lieben, was wir verstehen und wir werden nur das verstehen, was man uns beigebracht hat oder was wir erlebt haben. Sagt Baba Dioum, ein senegalesischer Poet. Als Freiwilliger im Zoo hat Benno dieses Zitat aufgenommen und in allen Phasen versucht, Wissen und Verständnis für die Tierwelt und die Natur zu schaffen. Geduldig hat er den Besuchern erklärt, wieso die Kamele in den Höckern Fett haben und kein Wasser, warum sie trotzdem so lange ohne Wasser durch die Wüste ziehen können und warum im Zoo den Grosskatzen auch Erdmännchen verfüttert werden. In unserer Gesellschaft geht oft vergessen, dass Fressen und Gefressenwerden völlig natürliche Vorgänge sind, die zum Leben, nicht nur in der Tierwelt, gehören. So fragte er immer wieder: Soll man denn anstelle des Erdmännchens, das sowieso getötet werden musste, ein Kälbli verfüttern?
Und auch für die Mitarbeiter in seinem Betrieb oder im Zoo hatte Benno immer ein offenes Ohr. Mit guten Ratschlägen bei privaten Problemen oder an der Arbeit half er, Lösungen zu finden, auch wenn dies bedeutete, einmal den Zoodirektor auf dieses oder jenes aufmerksam zu machen.
Und immer stand in seiner Lehrtätigkeit die Begeisterung der Menschen für die Tiere im Vordergrund oder wie es Heraklit sagte: Lehren heisst, ein Feuer entfachen und nicht einen leeren Eimer füllen.
Benno Lüthi, der Problemlöser, Forscher und Innovator
Benno war ein Problemlöser. Gab es ein Problem mit Mensch oder Tier, war er immer zur Stelle. Aufgrund seiner Erfahrungen in der Antarktis haben wir den Ausstieg der Pinguine aus ihrem Bassin im Zoo angepasst. Gross ist auch Bennos Interesse an der Technik. Es war für ihn immer spannend, den Ursachen eines Problems nachzugehen, dieses zu erforschen und dann gegebenenfalls eine Lösung, gerade im technischen Bereich, dafür zu finden. Das Leeren der Kübel mit den Amphibien bei Rumensee war mühsam, wie wir gehört haben, es musste eine andere Lösung her. Zuerst wollte Benno aber wissen, wieso so viele Amphibien beim Überqueren der Strasse umkommen. Er stellte fest, dass die Amphibien auf der Strasse meist nicht von den Rädern überrollt wurden, denn sie lagen äusserlich unversehrt dort. Er motivierte deshalb befreundete Wissenschafter, mit ihm der Todesursache auf den Grund zu gehen. Dabei entstand eine wissenschaftliche Arbeit, die zeigte, dass der häufigste Tod nicht durch das eigentliche Überfahren durch die Räder, sondern durch die Aerodynamik, die diese erzeugten, herbeigeführt wurde.
Seit seiner Erfahrung mit den Fledermäusen in seiner Franzosenhöhle liegen ihm diese besonders am Herzen. Kaum jemand weiss, dass die Fledermäuse die häufigsten Säugetierarten in der Schweiz sind. Ganze 30 verschiedene Fledermausarten kommen in der Schweiz vor, viele von ihnen sind heute stark bedroht. Aber wie kann man diese voneinander unterscheiden? Sie flitzen ja in der Dämmerung einfach vorbei oder sind gar nicht zu sehen, und eine Artdiagnose ist schwierig. Auch hier kommt Bennos Freude an der Technik zum Tragen. Er half mit, einen Ultraschalldetektor zu entwickeln, mit dem nun Interessierte das Echolot der kommunizierenden Fledermäuse abhören und einzelne Arten unterscheiden können.
Seine technischen Fähigkeiten setzt Benno auch im eigenen Garten ein. So überwacht er mit Wildkamera und Wärmesensor, wann die Igel die ausgeklügelte Zweikammerkiste am Haus beziehen und jeweils wieder verlassen, und hat so eine genaue Übersicht über die Winterruhe und die Aktivitäten dieser Tiere.
Auch den Menschen hat er geholfen. Wer von Ihnen musste nicht schon mal als Kind eine Zahnspange tragen? Nicht selten musste diese nachts mit einem so genannten Headgear befestigt werden, der unangenehm war und Schmerzen verursachte. Das war für Benno eine technische Herausforderung. Er entwickelte einen neuen Headgear, der viel angenehmer zu tragen ist, und produzierte diesen in einer kleinen Fabrik, die bis heute funktioniert und gerade in Übersee immer noch guten Absatz findet.
Benno Lüthi, der Engagierte
Sein Einsatz für Tiere und Menschen ist riesig und doch ist Benno auch ein Geniesser. In einer geselligen Runde, mit einem Glas Wein und viel Humor, handelt er ganz nach Johann Wolfgang Goethe, ich zitiere:
Geniesse mässig Füll’ und Segen, Vernunft sei überall zugegen. Wo Leben sich des Lebens freut, da ist die rechte Seligkeit.
Als junger Erwachsener träumte er, wie ein Adler in der Luft zu kreisen. Er war deshalb sehr enttäuscht, dass er keine Aufnahme in die Flugschule fand. Sein grosses Engagement gilt aber bei allem, was er tut. Er lernte deshalb Segelfliegen, war zeitweise in der Schweizer Nationalmannschaft und machte über tausend Segelflüge. Zusammen mit Marianne organisierten sie in den knappen Ferien im Berner Oberland Segelfluglager, auch die Organisation von Festen für die Teilnehmer gehörte dazu. Und was macht Benno heute, wenn er wieder einmal durchatmen will? Als ausgebildeter Gletscherfluglehrer steigt er an einem schönen Tag in seine Piper Super Cup und landet auf einem Gletscher. 10’000 Gletscherlandungen hat er bis heute mit seinem Motorflieger gemacht.
Wer etwas bewegen will, braucht nicht nur Kraft, sondern Herz, Mut und Ausdauer. Für grosse Taten oder Veränderungen im Leben braucht es zudem eine innere Stärke. Bennos Willenskraft, seine Empathie, seine Risikobereitschaft, sein Durchhaltevermögen sind Eigenschaften, die in unserer abendländischen Gesellschaft essenziell sind, um Herausforderungen zu meistern, Rückschläge zu überwinden und langfristig Ziele zu erreichen. Und dabei ist Benno ein absolut verlässlicher Freund. Er ist dies auch für mich und dabei ein herausragendes Vorbild. Ich freue mich, dass Dir, Benno, der Stiftungsrat der Stiftung für Abendländische Ethik und Kultur ihren Jahrespreis zuerkannt hat, und gratuliere Dir ganz herzlich zu dieser sehr verdienten Auszeichnung.